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VOLLANZEIGE #1845
Eilmsteiner-Saxinger, Gertrude: Systeme von Ungleichheiten . Lebensplanung und Zukunftsperspektiven von Moskauer StudentInnen. Diplomarbeit, 2004. * *http://textfeld.ac.at/text/1845/

Universität Wien | Fakultät für Sozialwissenschaften | Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
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ABSTRACT
"Ich möchte einfach leben wie ein Mensch, ein ganz normales Leben haben, eine glückliche Familie gründen und ein bisschen Wohlstand", erzählt Lena. Sveta will nach Moskau ziehen, weil sie dort Designerin werden möchte: "Ich komme vom Land. Hast du schon eine Designerin am Land gesehen? Selbstverständlich will ich in Moskau wohnen, hier ist das Leben einfach viel interessanter und das Dorf kann mir ohnehin keinen Job bieten". Jevgenij meint dass es ganz egal wäre, wenn er mit seiner Spezialausbildung für Erdölmanagement in dieser Branche - in der die Eltern Karriere für die Kinder machen, wie seine Studienkollegin Katja einwirft - keinen Job bekommen kann. Er weiß, dass er mit seinem Universitätsdiplom mit Sicherheit sehr gute Chancen in vielen Bereichen der Privatwirtschaft haben wird. Er und seine StudienkollegInnen brauchen diese Chancen auch dringend, weil ohne Geld eine Heirat und eine eigene Wohnung, welche sie sich wünschen, nicht denkbar wären. Moskau konnte sich zu einem prosperierenden Wirtschaftszentrum entwickeln und während monoindustrielle Städte in den Regionen mit Massenarbeitslosigkeit durch Betriebsschließungen kämpfen, sind ländliche Gebiete mit sehr niedrigem Lohnniveau und einer unzulänglichen Infrastruktur in den Bereichen der medizinischen Versorgung oder der Bildung konfrontiert. Das Einkommensgefälle verschärfte sich in den letzen fünfzehn Jahren. Das Durchschnittseinkommen liegt abgesehen von den unterschiedlichen offiziellen Angaben bei etwa 200 US Dollar (alle Daten Stand 2004). Das Existenzminimum beträgt keine 70 US Dollar und etwa 31 Millionen Menschen in Russland müssen mit weniger Geld als diesem Existenzminimum auskommen. Russland konnte im Jahr 2003 ein Wirtschaftswachstum von 7 % verzeichnen, was den aufsteigenden Trend der letzten drei Jahre fortsetzte. Davon profitieren vor allem die Zentren Moskau und St. Petersburg, welche zum beliebten Migrationsziel der abwandernden Bevölkerung aus der Provinz werden. Wachsende Branchen wie Public Relations, Marketing oder Informationstechnologie bieten hochqualifizierten AbsolventInnen von Hochschuleinrichtungen lukrative Arbeitsplätze. Der Bildungssektor, ein wichtiger Arbeitsmarkt für UniversitätsabsolventInnen, wird aufgrund des niedrigen Lohnniveaus zusehends uninteressanter, und bleibt aber für AbsolventInnen von wirtschaftlich weniger gefragten Studienrichtungen oft die einzige Berufschance. Nur die gleichzeitige Beschäftigung bei mehreren Arbeitgebern kann das Überleben sichern. Andererseits sind IT SpezialistInnen international gefragt, was die Abwanderung ins Ausland für Hochqualifizierte interessant macht. Die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt durch die Segregation in weniger prestigereiche Jobs für Frauen und besser bezahlte Berufsfelder für Männer, paart sich mit der Doppelbelastung von Frauen, weil sie neben der Berufstätigkeit noch für die Haushaltsführung und die Kinderbetreuung zuständig sind. Die Einführung von Studiengebühren und die informellen Zugangsbeschränkungen zu Hochschuleinrichtungen durch das etablierte Bestechungs- und Beziehungssystem, machen die Universitätsausbildung zu einem Luxusgut. Die postsowjetischen Transformationsprozesse in Russland sind mitunter dafür ausschlaggebend, dass Moskau oder das Ausland zu bevorzugten Wohnorten und Migrationsszielen für junge, angehende AkademikerInnen werden. Die Ablöse der Planwirtschaft durch die Einführung der Marktwirtschaft war ein erklärtes Ziel der neu formierten Russischen Föderation, und Demokratie sollte die Geschichte des autoritären sowjetischen Regimes ablösen. Den politischen Intentionen und den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Konzepten einer linearen Transition - von einem als ausgedient begriffenen System zur einem neuen System - stehen die unterschiedlichen Pfade dieses gesellschaftlichen Wandels gegenüber, sowie die ungleichen Auswirkungen der Reformmaßnahmen auf die verschiedenen Bevölkerungs- und Altersgruppen in Russland. Genauso steht der Annahme einer linearen Transition die Realität von kulturellen und sozialen Erscheinungen gegenüber, die sich aus Elementen der Vergangenheit und den Möglichkeiten der neuen wirtschaftlichen und politischen Umstände heraus entwickelt haben. Deshalb kann dieser postsowjetische Wandlungsprozess vielmehr als Transformation mit offenem Ausgang, denn als lineare Transition, verstanden werden (vgl. Verdery 1996; Hann 2002; Ledeneva 1998). Die vorliegende Diplomarbeit bezieht sich auf Forschungsfelder wie Lebenslaufforschung, Gender Studies, Ungleichheitsforschung und Postsozialismusforschung. Es werden Fragen nach Inklusion und Exklusion in jene gesellschaftlichen Sphären gestellt, die ohne prestigereiche Universitätsdiplome nicht möglich wären. Korruption und informelle Netzwerke bilden eine der Ausgangsbasen zur Bestandsaufnahme von Potentialen sozialer Mobilität der in Moskau geborenen StudentInnen und jenen, die aus den russischen Provinzen an Moskauer Universtäten kommen. Damit werden Bezüge zu Migrationsverhalten und -möglichkeiten sowie zu den Umsetzungsvorstellungen der erzählten Lebensentwürfe hergestellt. Die Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der subjektiven Lebensplanung und der Handlungsstrategien von weiblichen und männlichen Studierenden in Moskau, die aus der Hauptstadt oder aus der Provinz stammen und sich der russischen oder einer der anderen Ethnien der Russischen Föderation zuzählen. Die untersuchte Gruppe studiert technische, geisteswissenschaftliche, wirtschaftliche und naturwissenschaftliche Disziplinen an staatlichen und privaten Universitäten in Moskau
BEGUTACHTERIN
Peter P. Schweitzer

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