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VOLLANZEIGE #974
Sanin, Daniel: Zur Kritik des Identitätsbegriffs. Eine Analyse im Spannungsfeld von Subjektivität und Kollektivität. Diplomarbeit, 2002. * *http://textfeld.ac.at/text/974/

Universität Wien | Fakultät für Psychologie | Institut für Psychologische Grundlagenforschung
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ABSTRACT
Die vorliegende Theoriearbeit wird von der Frage geleitet, wie sich das Bündnis zwischen Individuen und abstrakten Kollektivitäten herstellt und wieso die daraus re­sultierenden Konstellation "die Identität" in aller Regel polemogen ist. Im ersten Ka­pi­tel versucht der Autor sich dazu zunächst einen Überblick über die Diskurse be­züg­­lich subjektiver Identität zu verschaffen. Er vollzieht nach, wie der Identitäts­be­griff bei Erikson, G.H. Mead und Keupp gebraucht wird und welche still­schwei­gen­den Voraussetzungen dabei in Anschlag gebracht werden; mit ähnlicher Blick­rich­tung wendet er sich auch der Psychoanalyse (hier ist Bohleber sein Leitautor) und den Cultural Studies (hier folgt er v.a. Hall) zu. Schon hier tritt der Differenz­aspekt von Identität klar zu Tage, insofern sich diese immer über Abgrenzung konstituiert. Um die aus dieser ersten Arbeitsrunde verbliebenen Widersprüche der einzelnen Ver­wendungen des Identitätskonzeptes zu klären, setzt der Autor im nächsten Schritt seines Unter­fangens grundsätzlicher an: Mit Horkheimer & Adornos Dialektik der Aufklärung (1944) folgt Herr Sanin im zweiten Kapitel der viel­leicht radikalsten Kritik am alles durch­dringenden Kontroll- und Herrschaftsprinzip der westlichen Zivilisation, die im abgelaufenen Jahrhundert formuliert worden ist. Dieses Prinzip setzt Eintei­lung, Klassifikation und Kategorisierung voraus; denn nur, was identi­fiziert und klassi­fiziert ist, kann der kontrollierenden und unterwerfenden Instanz dienstbar ge­macht werden. Identität entspringt für Horkheimer und Adorno aus der Mitte dieser Ein­teilungslogik. "Identität ist die Urform von Ideologie", sagt Adorno, weil sie immer schon vom Willen zur Herrschaft durchsetzt ist. Nach einer solchen Ein­sicht ist verständlich, daß sich der Autor nicht mehr in positiver Weise auf den Iden­ti­täts­begriff beziehen will. Herr Sanin gibt daher sein ursprüngliches Vorhaben, Süd­tiroler Identitätskonstruktion zu beschreiben, auf, und widmet sich im dritten Kapitel stattdessen einer ganz im Theoretischen bleibenden Analyse menschlicher Ver­ge­sell­schaftung, bei der ihn v.a. die Schriften von Berger & Luckmann, McLuhan und Slunecko leiten. An den Begriffen "Nation" und "Kultur", mit denen typisch die kollektive Sphäre von Identität gekennzeichnet wird, weist er auf, daß hier "falsche Gegen­stände" vorliegen, die sich sogleich wieder mit dem Herrschaftsprinzip vermählen. Offensichtlich will der Autor die Arbeit nicht mit der lakonischen Feststellung be­en­den, daß, wie er am Anfang des abschließenden vierten Kapitels schreibt, mit dem Iden­ti­täts­begriff nichts anzufangen sei (denn wer den Begriff verwendet, bedient immer einen Diskurs, in dessen Grammatik Fundamentalismus und Gewalt unver­meidbar angelegt sind). Er sucht daher nach Wegen, das Denken in Iden­titäten zu über­win­den, um sich und die Welt jenseits der Unterscheidungsmaschine neu zu be- und er­grei­fen. Zu erwarten wäre, daß eine solche Suche, gerade wenn sie von Horkheimer und Adorno inspiriert ist, auf das Grundproblem der abend­­länd­isch­en Metaphysik stoßen müßte, jener Vermählung von zwei­wertiger Logik und ein­wert­iger Ontologie (Sein ist; Nicht-Sein ist nicht), die den abgelehnten oder nicht ge­wählten Teil nihilieren bzw. terrorisieren muß. Für Herrn Sanin ist an diesem Punkt das Sich-neu-Ergreifen wichtiger als das Sich-Begreifen, das Tun wichtiger als das Sein; er schwenkt daher abschließend auf zwei Autoren ein, Grossberg und Spivak, die auf je unterschiedliche Weise jenseits des Sprechens von Identität ein Plädoyer für emanzipatorisches Handeln liefern wollen. Herr Sanin erbringt im theoretischen Ankämpfen gegen die falschen Selbst­be­schrei­bungen, an die auch der Diskurs der Psychologie leider meist um­stands­­los anzu­knüpfen pflegt, eine anerkennenswerte Leistung, an der insbesondere erfreulich ist, daß das sprachliche Niveau mit dem der inhaltlichen Auseinandersetzung Schritt hält. Anspruch wie Durchführung der Arbeit sind ungewöhnlich hoch. Thomas Slunecko
BEGUTACHTERIN
Thomas Slunecko

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