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THEMENCLUSTER: KRONENZEITUNG


Die Krone und "die Ausländer"

Die besondere Stellung der Kronen Zeitung in Österreichs Medienlandschaft (und damit im politischen System) ist gemeinhin bekannt. Mit einer Reichweite von deutlich über 40 Prozent nimmt das Kleinformat eine absolute Ausnahmestellung sowohl am heimischen Zeitungsmarkt wie auch im internationalen Vergleich ein. Neben dem Österreichischen Rundfunk ist sie ohne Zweifel das größte und einflussreichste Massenmedium Österreichs. Hervorzuheben ist dabei, dass die Kronen Zeitung auch ganz offen den Anspruch stellt ein Faktor im Prozess der öffentlichen Meinungsbildung zu sein: Es wird suggeriert, dass sie mehr transportiert als nur die Meinungen einiger JournalistInnen; sie tritt als Sprachrohr des Volkes auf, gibt den Anwalt des „kleinen Mannes“. Und es spricht einiges dafür, dass der Krone diese Stellung von einem Großteil der österreichischen Bevölkerung zugestanden wird.

Das alles macht die Nachrichtenpolitik der Kronen Zeitung in besonderem Maße untersuchungswürdig: Nicht allein ist ihr Diskurs außerordentlich wirkmächtig, darüber hinaus muss ihren GestalterInnen ein ausgeprägtes gesellschaftliches Sendungsbewusstsein attestiert werden.

Fixl, Mathilde
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der österreichischen Tagespresse. Diplomarbeit, 2006.

Konrath, Michaela
Die diskursive Konstruktion von Afrika und AfrikanerInnen in der „Kronen-Zeitung“. Eine soziologische Analyse der Nachrichtenberichterstattung im zweiten Halbjahr 2007“. Diplomarbeit, 2009.

Rusch, René
Der Ausländer-Diskurs der Kronen Zeitung 2005. Gibt es einen „kronischen“ Rassismus? Diplomarbeit, 2007 REZENSIERT 2008 von Thomas Müller: Schau auf die Krone! auch auf: derstandard.at

Zauner, Karin
Einstellungen von ChronikjournalistInnen österreichischer Tageszeitungen zu den Themen Migration und mediale Integration von MigrantInnen im Kontext ihres Rollenverständnisses. Masterarbeit, 2008. REZENSIERT 2009 von Thomas Müller: "…da kommt ein Haufen G’sindel zu uns". auch auf: derstandard.at


Nun ist an Berichterstattung und Meinungsmache der Kronen Zeitung vielfach Kritik geübt worden. Anlass dafür waren (z.B.) diverse Kampagnen für oder wider bestimmte Politiker, ihre Agitation gegen die Europäische Union und immer wieder ihre Stimmungsmache gegen „die Ausländer“. Die Kritik ist dabei praktisch ausschließlich von JournalistInnen anderer Massenmedien formuliert worden – der Beitrag von wissenschaftlicher Seite ist diesbezüglich über die Jahrzehnte ausgesprochen dünn geblieben. Besonders in Bezug auf den „Ausländer“-Diskurs der Krone ist dies erstaunlich. Schließlich ist die zentrale Rolle, welche Massenmedien bei der Verbreitung fremdenfeindlicher Diskurse ganz allgemein zukommt, wissenschaftlich vielfach untersucht und belegt worden.

Im vorliegenden Themencluster wird versucht, die Nachrichtenpolitik der Kronen Zeitung gegenüber „Ausländern“ wissenschaftlich auszuleuchten. Es wird gezeigt werden, dass die GestalterInnen der Kronen Zeitung gezielt daran arbeiten, „die Ausländer“ als großes Feindbild darzustellen. In der Wirklichkeit der Krone sind „Fremde“ eine Bedrohung für die Sicherheit der ÖsterreicherInnen, sie fungieren als Sündenbock für den Großteil der Probleme, die im Land herrschen. Mathilde Fixl, Michaela Konrath und René Rusch untersuchen in ihren Diplomarbeiten die Mechanismen, mit der diese Wirklichkeit konstruiert wird: Fixl arbeitet die argumentativen Strategien der Gewalt heraus, mit der im Kleinformat das Bedrohungsszenario gegenüber Migration und Asyl entworfen wird. Der „Ausländer“-Diskurs der Krone wird mit jenen von Presse und Salzburger Nachrichten verglichen. Konrath konzentriert sich auf den Diskurs der Kronen Zeitung über Afrika und AfrikanerInnen: Tragen die GestalterInnen der Krone zu Diskriminierung bei? Wie werden AfrikanerInnen charakterisiert, wie das Verhältnis zur Mehrheitsbevölkerung beschrieben?

Rusch versucht die Frage zu beantworten, ob die Nachrichtenpolitik der Krone als rassistisch zu klassifizieren ist. Politikteil und Leserbriefseiten einbeziehend, findet er in der Kriminalitätsberichterstattung den Schlüssel zum „kronischen“ Rassismus. Die vierte Arbeit fällt bezüglich ihres Zugangs aus der Reihe, fügt sich aber gerade deswegen sehr gut in den Themencluster: Im Fokus der Studie von Karin Zauner liegt nicht der Diskurs über Migration, sondern die Einstellungen österreichischer Chronik-Journalisten dazu. Ausgehend von 26 Leitfadengesprächen entwirft Zauner eine Typologie, welche JournalistInnen u.a. anhand ihrer Einstellung und ihres Problembewusstseins beschreibt und liefert damit gewissermaßen einen Blick hinter die Kulissen der MedienmacherInnen.

Die Diplomarbeiten im Cluster arbeiten jede für sich stichhaltig ihre Ergebnisse heraus – in der Zusammenschau ergänzen und bestätigen sie einander: Am Beispiel des Begriffes der Angst: Während Fixl „Angst-Appelle“ als allgemeine Strategie der Krone-GestalterInnen nachweist, behandelt Konrath diesbezüglich die spezifische Vorgehensweise gegenüber AfrikanerInnen. Konraths Erkenntnis wiederum, dass Menschen afrikanischer Herkunft im Kleinformat in besonderer Weise diskriminiert werden, wird von den Ergebnissen von Fixl und Rusch bestätigt. Dass die Krone regelmäßig einzelne Ereignisse heranzieht um auf einen größeren Zusammenhang zu verweisen (z.B.: Zuwanderung als verantwortliche Variable für ein geschildertes Problem), wird aus unterschiedlicher Perspektive sowohl von Konrath als auch Rusch herausgearbeitet. Weitere Beispiele ineinander greifender Forschungsergebnisse ließen sich anführen, stellvertretend sei auf das Selbstverständnis der Krone als Sprachrohr verwiesen – und damit auf den Ausgangspunkt der Überlegungen: Die Arbeiten im Themencluster liefern zahlreiche Belege, wie die Kronen Zeitung als Sprachrohr des Volkes auftritt. Ihre GestalterInnen versuchen mit ihren Wirklichkeitskonstruktionen nachdrücklich den Meinungsbildungsprozess in Österreich zu dominieren.
Wie die Kronen Zeitung ihre Wirklichkeit über jene konstruiert, die von ihr als „fremd“ erkannt werden, wird im vorliegenden Themencluster so umfassend wie noch nie untersucht.
Schwarzafrikaner, Mitte 20!

Mathilde Fixl über argumentative Strategien der Gewalt in der Kronen- und anderen Zeitungen >>
Schwarzafrikanische Dealer und Süchtige!

Michaela Konrath über die Konstruktion von Afrika und österreichischen AfrikanerInnen in der Kronenzeitung >>
Nicht-assimilierte Türken!

René Rusch indentifiziert den kronischen Rassismus >>
Abschiebung krimineller Elemente!

Welche Einstellung haben ChronikjournalistInnen gegenüber Migration? Karin Zauner: >>


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